Friedrich I. Barbarossa

GND: 118535757

Friedrich I. Barbarossa, Staufer, deutscher König 1152-1155 und Kaiser 1155-1190, * Waiblingen (?) um 1124, † bei Silifke (Seleukeia) 10.06.1190, Sohn Herzog Friedrichs II. von Schwaben, verheiratet mit Adele von Vohburg und 1156 mit Beatrix von Burgund.

Leben

Als Nachfolger seines Onkels Konrad III. einstimmig gewählt, erreichte F. dank verwandtschaftlicher Bindung über seine Mutter Judith bald den erhofften staufisch-welfischen Ausgleich: sein Cousin Heinrich der Löwe erhielt das Herzogtum Bayern zurück, während für den Babenberger Heinrich Jasomirgott Österreich zum privilegierten Herzogtum erhoben wurde. Mit Papst Hadrian IV. vereinbarte er 1153 in Konstanz die Wiederherstellung der päpstlichen Macht in Rom, Respektierung des honor imperii bzw. honor papatus, gemeinsames Vorgehen gegen die Normannen und Nichtduldung griechischer Eroberungen in Italien. Infolge des 1156 in Benevent zwischen Hadrian und dem Normannenkönig Wilhelm I. abgeschlossenen Konkordats und des päpstlichen Anspruchs auf Oberherrschaft kam es zum Bruch und nach dem Tod Hadrians 1159 zu einem mehrjährigen Schisma, in dem F. gegen Alexander III. mehrere Gegenpäpste protegierte. Parallel dazu und trotz der Zerstörung Mailands 1162 ergebnislos verlief der Kampf gegen die oberitalienischen Städte.
Nach der Malariaepidemie (Tod des Kanzlers Rainald von Dassel) im Anschluß an die Eroberung Roms 1167 und der Niederlage gegen die lombardischen Städte bei Legnano 1176 - wegen verweigerter Hilfeleistung wurde Heinrich der Löwe 1180 geächtet; Bayern (ohne die verselbständigte Steiermark) erhielt Otto von Wittelsbach, Sachsen wurde zwischen dem Erzbistum Köln und dem Askanier Bernhard von Anhalt aufgeteilt - ließ F. endgültig von der Gewaltpolitik ab. 1177 schloß er in Venedig mit Alexander und 1183 in Konstanz mit dem Lombardenbund unter weitgehendem Verzicht auf die 1158 in Roncaglia geforderten Regalien Frieden.
In Polen und Böhmen wurde der deutsche Einfluß gefestigt. Kühl waren die Beziehungen zu Byzanz, da Manuel I. 1158 mit Wilhelm I. Frieden schloß, während des Schismas Alexander unterstützte und in Ungarn gegen F. intervenierte, F. seinerseits, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, jegliche Gebietsabtretung in Italien strikt ablehnte. Frostig wurde das Verhältnis, als F., nach der Eroberung Jerusalems 1187 durch Saladin Führer des dritten Kreuzzugs, durch Verhandlungen mit Serbien, Bulgarien und Ikonion das ohnehin vorhandene Mißtrauen Isaaks II. noch steigerte. Konstantinopel entging mit knapper Not einer Belagerung, doch lösten sich die Spannungen von selbst, als F. im Göksu (Saleph, Kalykadnos) ertrank.
F., ein kraftvoller und bis zur Pedanterie gerechter Herrscher, wurde mit den Versuchen um die Wiederherstellung der Zentralgewalt ungewollt zum Reaktionär, ohne die wachsende Bedeutung der Städte und Einzelfürsten wie auch die Territorialisierung des Reichs aufhalten zu können. Die Zeit eilte ihm hier voraus, erinnerte sich aber später seiner Größe: nicht, wie ursprünglich, Friedrich II., sondern Kaiser Rotbart schläft nach der deutschen Sage im Kyffhäuser seiner Wiederkehr entgegen.

Literatur

Lamma, Paolo: Comneni e Staufer. 2 Bde. Roma 1955/57.
Ohnsorge, Werner: Abendland und Byzanz. Darmstadt 1963, 387-491.
Münz, Peter: Frederick Barbarossa. London 1969 (mit Bibliographie).
Gebhardt, Bruno: Handbuch der deutschen Geschichte. Hrsg. Herbert Grundmann. Bd 1. Stuttgart 1970(9), 383-413 (mit Bibliographie).
Engels, Odilo: Die Staufer. Stuttgart [u. a.] 1972, 48-97.

Verfasser

Erwin Fenster (GND: 106391216)

Empfohlene Zitierweise: Erwin Fenster, Friedrich I. Barbarossa, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 548-549 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=839, abgerufen am: 20.09.2020