Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Ipsilanti, Alexandra

Ipsilanti, Alexandra (Alexandros Ipsilantis), Woiwode der Walachei 1774-1782, 1796-1797 und der Moldau 1786-1788, * 1726, † Istanbul 25.01.1807, aus einer angeblich von den Komnenen abstammenden Phanariotenfamilie.

Leben

 I. gehörte zum Diwan (Staatsrat) der Woiwoden Ioan Teodor und Grigore Calli machi, die 1758-1764 und 1767-1769 die Moldau regierten. Anschließend war er Großdragoman der Pforte und wurde nach dem Frieden von Kü^ük Kaynarca am 26. September 1774 Woiwode der Walachei. Wegen der Unterstützung durch Rußland und die einheimischen Bojaren, die er mit dem Versprechen, keine Griechen in hohe Ämter einzusetzen, gewonnen hatte, konnte er im Gegensatz zu seinen Vorgängern mit einer langen Regierung rechnen und begann eine vorausschauende Reformpolitik zum Wiederaufbau des vom russisch-türkischen Krieg zerstörten Landes. Er regelte das Kopfsteuersystem neu, setzte für die wichtigsten Konsumgüter Höchstpreise fest, reorganisierte das Zunftwesen und stärkte den Einfluß des Fürsten auf die Lokalverwaltung. 1775 führte er neue Gerichtshöfe mit zwei Appellationsinstanzen und die Besoldung der Richter ein, schaffte die Folter ab und machte mit der Trennung von Justiz und Verwaltung den Anfang. Im Januar 1776 wurde die fürstliche Akademie in Bukarest reorganisiert und wie die anderen Schulen mit Einkünften aus dem Klosterbesitz ausgestattet. Naturwissenschaftliche Fächer wurden in den Lehrplan aufgenommen und 75 Freiplätze für arme Bojarenkinder geschaffen. 1780 gab I. ein auf byzantinischem Recht, einheimischem Gewohnheitsrecht und rechtsphilosophischen Grundsätzen der Aufklärung basierendes Gesetzbuch (pravilniceasca condicä) heraus, das u. a. den Frondienst auf zwölf Tage im Jahr beschränkte und Mißbräuche der Grundbesitzer bei der Einziehung des Zehnten abzustellen suchte. Nach der Flucht seiner beiden Söhne im Dezember 1781 nach Siebenbürgen von seinen phanariotischen Gegnern bei der Pforte in Mißkredit gebracht, bat I. selbst um seine Entlassung (15.01.1782). Auf Betreiben seines Nachfolgers war er bis 1783 auf Rhodos im Exil. Seine Regierung als Woiwode der Moldau (Dezember 1786 bis 19.04.1788) wurde vom bevorstehenden russisch-österreichisch-türkischen Krieg überschattet. Um seinem Land die ärgsten Schäden zu ersparen, hielt I. engen Kontakt zu den Österreichern, von denen er sich bei der Besetzung von Jassy gefangen nehmen ließ. Er wurde für die Dauer des Krieges in Brünn interniert. Während seiner zweiten Regierung in Bukarest (28.08.1796 - 3.12.1797) bedrohte der Rebell Pazvandoglu von Vidin aus die Walachei. I. war bereit, durch Kontributionen den Frieden zu erkaufen. Weil aber die Pforte eine großangelegte Strafexpedition vorbereitete, bot er Sultan Selim III., dem er wegen des gemeinsamen Reformeifers nahe stand, seine Abdankung an und zog sich nach Istanbul zurück. Ende 1806, nach der Flucht seines als Woiwode der Walachei abgesetzten Sohnes Constantin zu den Russen, wurde I. verhaftet und nach der türkischen Kriegserklärung an Rußland enthauptet.

Literatur

Iorga: Histoire. Bd 7, 8.
Pravilniceasca condică, 1780. Bucureşti 1957. = Adunarea izvoarelor vechiului drept românesc scris. 2.
Documente privind istoria României. Colecţia Eudoxiu de Hurmuzaki. N. F. Bd 1. Raportoare consulare ruse (1770-1796). Bucureşti 1962.
La législation agraire de Valachie 1775-1782. Bucureşti 1970. = Adunarea izvoarelor vechiului drept românesc scris. 8.

Verfasser

L. Maier (GND: 132689669)

GND: 14301420X


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Empfohlene Zitierweise: L. Maier, Ipsilanti, Alexandra, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 231-232 [Onlineausgabe]; URL: http://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1010, abgerufen am: (Abrufdatum)

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