Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Hurmuzaki, Eudoxiu de

Hurmuzaki, Eudoxiu de, rumänischer Historiker und Staatsmann, * Cernauca (bei Czernowitz) 29.09.1812, † ebd. 10.02.1874, Sohn des Großgrundbesitzers Doxaki H. und der ebenfalls aus altem Bojarengeschlecht stammenden Ileana Murgulţ. Mehrere Vertreter des Geschlechtes hatten im 18. Jh. in der Moldau wichtige Staatsämter bekleidet. Weil von der Abtretung der Nord-Moldau (Bukowina) an das Haus Habsburg im Jahre 1774 auch zahlreiche Güter der Familie betroffen waren, verlegte schließlich Doxaki H. 1804 seinen Wohnsitz aus dem Fürstentum Moldau in die Bukowina.

Leben

H. besuchte das Lyzeum zu Czernowitz und widmete sich anschließend in Wien dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften. Während sein älterer Bruder Constantin H. später eine beachtliche politische Karriere in Rumänien durchlief, suchte H. die Zusammenarbeit mit Österreich. Er gewann bald das Vertrauen der Wiener Regierung. 1848 beriet der Justizminister Alexander Bach mit ihm in Kremsier die Frage der Neuorganisierung der Bukowiner Verwaltung. H. wurde beauftragt, das Bürgerliche und das Strafgesetzbuch sowie für einige Zeit auch die laufenden Gesetze und Erlasse ins Rumänische zu übersetzen. 1850 berief ihn der Justizminister Anton Ritter von Schmerling in die Kommission für die Ausarbeitung eines juristischen Fachwörterbuchs in rumänischer Sprache. H. wirkte auch bei der Überprüfung der rumänischen Schulbücher in der Bukowina mit. Unter Wahrung der Loyalität gegenüber Österreich trat H. - wie auch sein Vater und seine beiden Brüder Alexandru und George H. - für die politische Autonomie der Bukowina, für die kulturelle Entfaltung der dort lebenden Rumänen und für die Selbständigkeit der griechisch-orthodoxen Kirche ein. Diesem Ziel diente die von ihnen 1848-1850 herausgegebene Zeitung „Bucovina, Gazeta românească pentru politică, biserică şi literatură“ (Die Bukowina, Rumänische Zeitung für Politik, Kirche und Literatur). 1849 gehörte H. einer Delegation an, die dem Kaiser und dem Reichstag in Kremsier ein Memorandum überreichte. Mit der Schaffung eines autonomen Kronlandes Bukowina waren diese Bemühungen von Erfolg gekrönt; 1861 wurde H. in den Bukowiner Landtag gewählt und von dort in den Reichstag entsandt. 1864-1874 hatte er das Amt des Landeshauptmanns inne. Neben seiner politischen Tätigkeit widmete sich H. mit großer Hingabe historischen Studien. Aus seiner Hinterlassenschaft stammen die postum in fünf Bänden zusammengefaßten „Fragmente zur Geschichte der Rumänen“ (Bukarest 1878). Die auf der Grundlage des von ihm gesammelten Materials zusammengestellte monumentale Quellensammlung „Documente privitoare la istoria Românilor“ (Urkunden zur Geschichte der Rumänen, Bukarest 1876-1942 und 1962-1967) wird allgemein als „Colecţie Hurmuzaki“ bezeichnet. In Anerkennung seiner politischen Verdienste erhob ihn der Kaiser im Jahre 1873 in den Freiherrnstand. Wegen seiner wissenschaftlichen Leistungen wurde H. von der rumänischen Akademie der Wissenschaften zum Mitglied gewählt.

Literatur

Sturdza, Demetrius A.: [Vorwort zu] Hurmuzaki, Eudoxius de: Fragmente zur Geschichte der Rumänen. Bd 1. Bukarest 1878, I-IX.
Sbiera, Ion G.: O pagină din storiea Bucovinii din 1848-1850 dinpreună cu nişte notiţe despre familiea Hurmuzaki. Cernăuţi 1899.
Stefanelli, T. V.: Eudoxiu Hurmuzaki. In: Junimea Literară 9 (1912) 196-206.
Şerban, Constantin: Eudoxiu Hurmuzaki. In: Revista de istorie 27 (1974) 43-54.

Verfasser

Ekkehard Völkl (GND: 124490999)


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