Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Zorbas, Nikolaos

Zorbas, Nikolaos, griechischer Offizier, * Athen 1844, † ebd. 1920, Sohn eines Offiziers aus der Provinz Magnesien in der Peloponnes.

Leben

Z. durchlief die Offiziersschule (Scholi ton Evelpidon) in Athen und verließ sie 1865 als Artillerieleutnant. Danach ging er nach Frankreich und Belgien, um seine Ausbildung zu vervollkommnen. 1878 nahm er am Domokos-Feldzug teil, von 1882 bis 1885 fungierte er als Personaldirektor des Heeresministeriums und als Professor für Artilleriewesen an der Offiziersschule in Athen, welches Amt er nach den Zusammenstößen von 1886, die zur Berufung von Cbarilaos Trikupis als Ministerpräsident führten, neuerlich bekleidete (1887 bis 1891). Zu dieser Zeit verfaßte er auch sein dreibändiges Werk über das Artilleriewesen „Pyrovoliki“. Im Zeitraum von 1892 bis 1895 diente Z. im Range eines Oberstleutnants als Subkommandeur des Artillerieregiments und wurde dann leitender Stabsoffizier des Dritten Generalstabs in Athen. Im türkisch-griechischen Krieg von 1897 kommandierte er das Dritte Artillerieregiment sowie die Geschützeinheiten der Ersten Division, nach der Schlacht bei Domokos führte er auch die Geschützeinheiten der Zweiten und Dritten Division in Thessalien an. Bei den Zerwürfnissen nach dem Ende des unglücklichen Krieges bezüglich der Verantwortung für die Katastrophe geriet er in Gegensatz zum Generalstab und widerrief viele Punkte des offiziellen Berichts über den Ablauf der Kampfhandlungen. Von 1898 bis 1906 fungierte er als Vorstand der Offiziersschule in Athen.
1907 stieg Z. in den Rang eines Obersten auf und wurde Leiter des Stabes für Kriegsmaterial. Im August 1909 übernahm er die Führung des damals sich formierenden „Militärverbandes“ (Stratiotikos Syndesmos), einer Militärorganisation mit politisch-progressiven Zielen. In der Nacht vom 27. zum 28. August 1909 (14./15. VIII.) wurde die Revolution von Gudi (ein Athener Vorort) ausgerufen, und Z. erzwang den Rücktritt des vierten Kabinetts Dimitrios Rallis. Das Militär übernahm vorübergehend die Macht, um neuen politischen Kräften zum Zuge zu verhelfen. Die Bedeutung der Revolution von Gudi für die neugriechische Geschichte geht weit über die damalige aktuelle Situation hinaus: sie ist zu einem der wenigen historischen Marksteine in der kurzen Geschichte Griechenlands geworden, der auch eine soziale Veränderung mit sich brachte: den Abbau der politischen Vorherrschaft des Bildungs- und Großbürgertums phanariotischer Prägung und die Ausformung mittel- und kleinbürgerlicher Schichten als politische Macht. Damit in Zusammenhang stehen aber auch Umwälzungen auf literarischem und pädagogischem Gebiet. Die Organisation des Putsches hatte der „Militärverband“ übernommen, die neuen politischen Kräfte waren konkret Eleftherios Venizelos und seine Liberale Partei. Die Machtübernahme durch die Offiziere erfolgte rasch und unblutig. Z. übernahm zuerst die Führung der Zweiten Division in Athen, in der Folge dann das Heeresministerium. Er verblieb weiterhin an der Spitze des „Militärverbandes“, übergab aber im folgenden Jahr der Regierung Stefanos Dragumis freiwillig das Heeresministerium. Auch als Führer des „Militärverbandes“ wirkte er auf die Auflösung dieser militärischen Organisation hin, nachdem diese nun ihre Funktion erfüllt hatte.
Die Revolution von Gudi stellt den progressivsten Eingriff des Militärs in die Politik im Verlaufe der neueren griechischen Geschichte dar, was hauptsächlich auf das zielbewußte Wirken von Z. zurückzuführen ist. Nach der gewaltsamen Operation arbeitete er systematisch auf die Beseitigung von drohenden Nebenregierungen und auf die Rückkehr des Landes zu verfassungsmäßig garantierter Gesetzmäßigkeit hin. Als Generalmajor (Ypostratigos) schied er 1911 aus dem aktiven Dienst aus und verblieb bis zu seinem Tode in Athen.
Z. hinterließ ein höchst interessantes Archiv der Militärerhebung von 1909 sowie zwei Druckschriften: seine Memoiren und eine zweibändige Geschichte des türkisch-griechischen Krieges von 1897.

Literatur

Malenos, Miltiadis I.: I epanastasis tu 1909. Athen 1965.
Manousakis, Gregor: Hellas - Wohin? Das Verhältnis von Militär und Politik in Griechenland seit 1900. Grotesberg 1967.

Verfasser

Walter Puchner (GND: 115411496)

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Empfohlene Zitierweise: Walter Puchner, Zorbas, Nikolaos, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 502-504 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1903, abgerufen am: (Abrufdatum)

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