Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Osuský, Štefan

Osuský, Štefan, tschechoslowakischer Diplomat, * Brezova (Slowakei) 31.03.1889, † Herndon (Virginia) 27.09.1973.

Leben

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Preßburg wanderte O. 1906 in die USA aus, wo er in Chicago Theologie und Jura studierte. Nach Studienabschluß war er als Journalist tätig. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges setzte er sich öffentlich für einen tschechoslowakischen Staat mit einer autonomen Slowakei ein (Deklaration von Cleveland) und wurde im Mai 1916 als Vertreter der Slowakischen Liga zu Masaryk nach London entsandt, der ihn zum tschechoslowakischen Nationalrat in Paris weiterschickte. Dort war er wegen seiner Kenntnis der magyarischen Sprache mit der propagandistischen Behandlung der ungarischen Angelegenheiten befaßt und unterstützte politisch die Linie von Milan Rastislav Štefánik.  Im Herbst 1917 wurde er Leiter des Pressebüros der tschechoslowakischen Auslandsbewegung und hielt Verbindung mit den ausländischen Vertretungen in Genf. Im April 1918 vertrat er zusammen mit Štefánik die Slowaken auf dem Kongreß der unterdrückten Völker in Rom und handelte mit ihm gemeinsam die Bedingungen für die Aufstellung der tschechoslowakischen Militärverbände in Italien aus. Bei Kriegsende war O. wieder in der Schweiz und unterhielt enge Beziehungen zu Wilsons Vertrauten Professor George D. Herron (vgl. dazu seine Schrift „G. D. Herron, dôvernik Wilsonov po čas vojny“ [G. D. Herron, ein Vertrauter Wilsons während des Krieges, 1926]). Am 28. Oktober 1918 war er in Genf während der Zusammenführung der tschechischen Heimatbewegung mit der Auslandsbewegung zugegen. Im gleichen Jahr erschien in Paris seine zusammen mit Jules Chopin verfaßte Abhandlung „Magyars et Pangermanistes“, in der er gegen den pangermanischen (und magyarischen) „Mitteleuropa“-Gedanken Stellung nimmt. Bereits am 14. Oktober 1918 von Beneš zum tschechoslowakischen Geschäftsträger in London ernannt, war er dort ab 12. Januar 1919 als Gesandter akkreditiert. Während der Friedenskonferenz gehörte er zur tschechoslowakischen Delegation und leitete sie in den Verhandlungen mit Ungarn. Im März 1920 wurde er Gesandter in Paris und behielt diese Mission bis zum Untergang der ČSR 1939. Als Fachmann für Reparationsfragen nahm er an der Konferenz in Haag (1930) teil; im Völkerbund vertrat er neben Beneš die ČSR und war ab 1927 ständiger Präsident der Kontrollkommission des Völkerbundes. Die aus dieser Tätigkeit gewonnenen Erkenntnisse fanden ihren Niederschlag in den Schriften „Postavení Slovanů v mezinárodní politice“ (Die Stellung der Slawen in der internationalen Politik, 1933) und „Společnost národů“ (Der Völkerbund, 1936). Aufgrund seiner engen Kontakte mit französischen Regierungsstellen war O. nach der Zerschlagung der ČSR für kurze Zeit Leiter der tschechoslowakischen Emigration und begründete am 21. März 1939 den Zentralausschuß der tschechoslowakischen Auslandsaktion, der sich auf der Grundlage des Münchener Abkommens und unter Berücksichtigung der slowakischen Autonomiewünsche um alliierte Unterstützung für eine Wiederherstellung der ČSR und um eine neue tschechoslowakische Auslandsarmee bemühte. Am 2. Oktober 1939 schloß er mit dem französischen Premier Édouard Daladier ein Abkommen über die Bildung dieser selbständigen tschechoslowakischen Auslandsarmee als Teil der französischen Streitkräfte. Die Rivalität mit Beneš, die trotz der Ernennung O.s zum Außenminister der Exilregierung (ab 22.07.1940) fortbestand, wurde durch die Niederlage Frankreichs zu dessen Gunsten entschieden. Der Bruch wurde am 31. März 1942 offenkundig, als O. aus der Auslandsregierung in London ausschied, weil er die Anlehnung Beneš’ an die Sowjetunion ablehnte. Nach 1945 kehrte er in die USA zurück und war dort ab 1948 in verschiedenen Organisationen der tschechoslowakischen Emigration in leitender Stellung tätig.

Literatur

Vnuk, František: Stephen Osuský and March 1939. In: Slovakia 9 (1959) 5, 65-75.

Verfasser

Manfred Alexander (GND: 124731856)


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