Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Ivan Sracimir

Ivan Sracimir, bulgarischer Herrscher des Reiches von Vidin um 1360-1396, Sohn von Ivan Aleksandŭr und dessen erster Frau, der Rumänin Teodora.

Leben

Bei der Aufteilung Bulgariens in der Mitte des 14. Jh.s erhielt I., der nach dem Tode seines älteren Bruders Michail Äsen eigentlich rechtmäßiger Thronfolger war, das nordwestliche Gebiet um Vidin zugewiesen, während sein jüngerer Stiefbruder Ivan Sisman zum Herrscher über das Reich von Türnovo bestimmt wurde. Bereits noch zu Lebzeiten seines Vaters dürfte I. hier residiert haben, da er während der Einnahme Vidins durch den Ungarnkönig Ludwig I. im Jahre 1365 festgenommen und nach Kroatien gebracht wurde. Mehrere Jahre lang blieb Nordwestbulgarien ungarisches Verwaltungsgebiet, in dem Franziskaner die Bevölkerung für den Katholizismus gewinnen wollten. Als der byzantinische Kaiser Johannes V. Palaiologos 1366 auf der Rückkehr von Ungarn, wo er ein Bündnis gegen Türken und Bulgaren zu schließen beabsichtigt hatte, durch Bulgarien reisen wollte, verweigerte ihm dies Ivan Aleksandür. Der Kaiser mußte zunächst in Vidin verweilen. Erst das Erscheinen der Flotte des Grafen Amadeo von Savoyen, die mehrere bulgarische Städte eingenommen hatte, zwang den Zaren zu Verhandlungen über die Weiterreise des byzantinischen Kaisers. Die von Amadeo eroberten Städte gerieten unter byzantinische Herrschaft. Die Position des Ungarnkönigs schwächte sich, als er von einem Feldzug gegen Türken und Bulgaren abließ, und 1369 oder zu Beginn des Jahres 1370 eroberten die Bulgaren Vidin zurück, wo I. seine Herrschaft durch Unterstützung des walachischen Woiwoden Vladislav I. wiederherstellte. Nach dem Tode Ivan Aleksandürs brach ein offener Zwist unter den Stiefbrüdern I. und Ivan Sisman aus. I. brach alle Beziehungen zu Türnovo ab. Die Lossagung vom Patriarchen von Türnovo und die Unterstellung unter das Patriarchat von Konstantinopel sollten dies unterstreichen. Außerdem wurde mehrere Jahre mit wechselndem Erfolg um Sofia gekämpft. Das Gebiet von Vidin blieb zunächst von direkten Angriffen der Türken verschont. Um 1388 scheint sich I. aber dem Sultan unterstellt zu haben, was Tributpflicht und Stellung von Hilfstruppen zur Folge hatte. Nach der Einnahme Türnovos 1393 drohte auch Nordwestbulgarien die Eroberung durch die Türken. Im Jahre 1396 unternahm der ungarische König Sigismund noch einen Kreuzzug gegen die Türken. Die Bewohner von Vidin öffneten den Kreuzfahrern die Stadttore und vertrieben die türkische Garnison. Bei Nikopolis kam es zur Schlacht zwischen den Kreuzfahrern und den Türken unter Bayezia, wobei letztere einen großen Sieg davontrugen (15.09.1396). Am Kreuzzug nahm auch der Münchener Hans Schiit berger teil, der in der Schlacht in türkische Gefangenschaft geriet, worüber er in seinem Reisebuch berichtet. Ende 1396 nahm der Sultan Vidin ein; I. wurde gefangengenommen und nach Kleinasien verbannt.

Literatur

Nikov, Petŭr: Turskoto zavladjavane na Bŭlgarija i sŭdbata na poslednite Šišmanovci. In: Izv. ist. Druž. 7/8 (1928) 41-112.
Angelov, Dimitŭr: Turskoto zavoevanie i borbata na balkanskite narodi protiv našestvenicite. In: Ist. Pregled 9 (1953) 4, 374-398.
Ders.: Certains aspects de la conquête des peuples balkaniques par les Turcs. In: Byzantinoslavica 17 (1956) 220-274.
Mutafčieva, Vera: Poslednite Šišmanovci. Sofija 1969.
Schiltberger, Hans: Reisebuch. Hrsg. als Faks. Mainz 1969.
Gorina, Ljudmila: Pochodŭt na graf Amadej VI Savojski protiv Bŭlgarija prež 1366-1367 g. In: Ist. Pregled 26 (1970) 6, 71-78.

Verfasser

Detlef Kulman (GND: 128703393)

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Empfohlene Zitierweise: Detlef Kulman, Ivan Sracimir, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 254-255 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1027, abgerufen am: (Abrufdatum)

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