Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Ipsilantis, Alexandros

Ipsilantis, Alexandros, griechischer Militärführer, * Istanbul 12.12.1792, † Wien 31.1. 1828, ältester Sohn des Fürsten der Walachei Constantin Ipsilanti und Enkel des Fürsten der Walachei Alexandru Ipsilanti.

Leben

 Nach dem Scheitern des Aufstandes seines Vaters gegen die Türken auf der Seite der Russen (1806/7) folgte I. seinem Vater auf seiner Flucht nach St. Petersburg. Dort wurde er 1810 in die Leibgarde des Zaren als Hauptmann aufgenommen und drei Jahre später zum Obersten befördert. Als russischer Offizier nahm er an der Schlacht bei Leipzig gegen Napoleon teil, in der er seinen rechten Arm verlor. 1815 wurde er zum Adjutanten des Zaren ernannt und 1817 zum Generalmajor befördert. Am 24. April 1820 übernahm er nach seiner Einweihung unter dem Decknamen „Der Gute“ die Führung des revolutionären Geheimbundes „Filiki Eteria“, die ihm deren Gesandter in St. Petersburg Emmanuil Xanthos anbot, nachdem Ioannis Kapo distrias sie abgelehnt hatte. Von da an befaßte er sich mit der wirtschaftlichen, politischen und militärischen Reorganisation der „Filiki Eteria“ und begab sich zu diesem Zweck im Herbst 1820 nach Ismail in Bessarabien. Sein Generalplan sah u. a. die Mobilisierung der griechischen Handelsflotte, die Revolutionierung der Peloponnes und die Inbrandsetzung der türkischen Flotte in Istanbul vor; ferner die Koordinierung des Kampfes mit den Serben, den Montenegrinern, mit Mehmed Ali von Ägypten sowie Ali Pascha von Janina, der sich ab Mai im Krieg mit dem Sultan befand. Im Dezember 1820 wurden auch mit dem Bulgaren Stojan Teodorovic Tsalioglu und dem Rumänen Tudor Vladimirescu Abmachungen zum gemeinsamen Aufstand getroffen. Die Erhebung Vladimirescus in der Walachei im Januar 1821 änderte und beschleunigte die griechischen Pläne. I. gab sein Vorhaben auf, sich über Triest auf die Peloponnes zu begeben, um den Aufstand dort aufzurufen. Am 6. März 1821 verließ er mit einer kleinen Gefolgschaft Kisin’ov (Chi$inäu), überquerte den Pruth und zog über Galatz nach Jassy ein, wo er die griechische Revolutionsflagge hißte. Der Fürst der Moldau Mihai Su\u (Michail Sutsos) schloß sich mit seiner Garde den Aufständischen an. I. gab dort zwei Revolutionsaufrufe heraus, einen an das Volk der Moldau und einen zweiten an die Griechen im türkischen Reich (16.03.1821). Hier trafen auch etwa 2000 Freiwillige, darunter einige Serben, Bulgaren und Montenegriner, ein. Von hier bewegte sich I. über Tîrgu-Frumos nach Focşani an der walachischen Grenze, wo griechische Studenten aus Odessa eintrafen und mit etwa 500 anderen jungen Freiwilligen die „Heilige Schar" (Ieros Lochos) bildeten. I. verließ dann Focşani und zog am 6. April 1821 in Bukarest ein, wo Vladimirescu schon eingetroffen war. Inzwischen kam die Nachricht vom Bann, den der ökumenische Patriarch Grigorios V. über I. und sein Unternehmen verhängt hatte, und von der Distanzierung des Zaren vom Aufstand des I. Dieser zog sich infolge von Streitigkeiten mit Vladimirescu und der feindlichen Haltung des Metropoliten und anderer griechischer Notabein in Bukarest nach Tirgo- vişte zurück. Am 12. Mai mußten die Aufständischen in Galatz von den einrückenden türkischen Streitkräften schwere Verluste hinnehmen. Vladimirescu nahm daraufhin mit den Türken Verhandlungen auf und wurde deshalb von Agenten des I. ermordet. Die inzwischen am 6. April (25. III.) auf der Peloponnes ausgebrochene Revolution konnte die schwierige Lage von I. nicht verbessern. Nach einer erfolgreichen Abwehr des türkischen Angriffs bei Tîrgovişte (19. VI.) erlitt die „Heilige Schar" bei einem Gegenangriff bei Drăgăşani eine vernichtende Niederlage. Auf der Flucht vor seiner sich auflösenden Armee suchte I. sich nach Österreich zu retten. An der Grenze wurde er jedoch von österreichischen Posten festgenommen (27. VI.) und in die Burg von Munkäcs eingeliefert, von wo er später ins Burggefängnis von Theresienstadt (Terezin) transportiert wurde. Am 22. November 1827 aus Gesundheitsgründen freigelassen, begab er sich nach Wien, wo er im Januar 1828 in der Pension „An der goldenen Birne den Folgen einer Brust- und Herzbeutelwassersucht starb. I. war ein erfahrener Heerführer und aufrichtiger Patriot. Sein Aufstand mußte dennoch aus politischen Gründen scheitern: I. hatte eine Operation unternommen, die ohne den Beistand von mindestens einer Großmacht, in seinem Fall Rußlands, von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Dazu hatte er die Bedeutung der Teilnahme der bäuerlichen Bevölkerung der Moldau und der Walachei am Aufstand nicht richtig eingeschätzt und wurde deshalb von Vladimirescu mit Recht im Stich gelassen. In seiner idealistischen Einstellung hat er sich schließlich nicht rechtzeitig den Intrigen einiger seiner griechischen Kameraden entziehen können, denen er bei den ersten Schwierigkeiten zum Opfer fallen mußte. So bekam sein Unternehmen erst vom daraufhin erfolgten griechischen Aufstand auf der Peloponnes eine große Bedeutung. an

Literatur

Prokesch-Osten, Anton Freiherr von: Geschichte des Abfalls der Griechen vom Türkischen Reiche im Jahre 1821. Bd 1. Wien 1867, 22-82.
Gudas, Anastasios: Vii parallili. Bd 6. Athen 1874, 1-35.
Pantschoff, M.: Kaiser Alexander I. und der Aufstand Ypsilantis 1821. Leipzig 1891.
Rados, Konstantinos: Isvoli tu Ipsilantu is Moldovlachian. Athen 1915.
Gatopulos, Dimitrios: Alexandros lpsilantis. Athen 1928.
Kordatos, Janis: Istoria tis Neoteris Elladas. Bd 2. Athen 1957, 74-173.
Botzaris, Notis: Visions balkaniques dans la préparation de la révolution grecque (1789-1821). Genève, Paris 1962, 100-166.
Nicolopoulos, Jean: Quelques renseignements sur l’activité maçonique des frères Ypsilanti. In: O Eranistis 4 (1964) 33-39.
Enepekidis, Polichronis: Rigas - lpsilantis - Kapodistrias. Athen 1965, 97-193.
Ders.: Alexandros lpsilantis. I echmalosia tu is tin Afstrian 1821-1828. Athen 1969.

Verfasser

Georg Veloudis (GND: 124116787)


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