Hollý, Ján

GND: 118774778

Hollý, Ján, slowakischer Dichter, * Burský Svätý Mikuláš (Burszentmiklós, Komitat Preßburg; heute Borský Mikuláš) 24.03.1785, † Dobrá Voda (Jókő, Komitat Neutra) 14.04.1849, Sohn eines Kleinbauern.

Leben

Nach der Gymnasialzeit in Preßburg kam H. 1802 ins Priesterseminar nach Tyrnau. Dort wirkte als Professor Juraj Palkovič, ein eifriger Anhänger Anton Bernoláks, dem sich H. anschloß. Nach Beendigung seines Studiums 1808 versah H. zwei Kaplanstellen, bis er 1814 Pfarrer in Maduníce (Komitat Neutra) wurde. In diesem westslowakischen Dorf lebte der stille Mann als Seelsorger und Dichter fast 30 Jahre lang. Im Mai 1843 brannte seine Kirche samt dem Pfarrhof nieder, wobei H. fast um das Augenlicht kam. Er zog sich zu einem geistlichen Freund nach Dobrá Voda zurück, wo er völlig erblindet starb.
Auf H.s dichterisches Schaffen färbten zwei Faktoren ab: nach Gehalt und Form die Übersetzung antiker Klassiker ins Slowakische, mit der seine literarische Tätigkeit begann, wobei vor allem der Einfluß von Vergils „Äneis“ nicht zu übersehen ist; hinsichtlich Ideologie und Thematik die aus dem Bernolákismus abgeleitete Verpflichtung des Dichters zur Hebung des slowakischen Geschichtsbewußtseins, verbunden mit einer literarischen Deutschfeindlichkeit. Die halb aufklärerische, halb romantische Synthese dieser beiden Komponenten kommt am deutlichsten in seinen zwei besten Epen zum Ausdruck. Sie besingen in klassizistischer Idealisierung und mit nationalem Pathos Helden und Taten von recht bedingter Zugehörigkeit zur slowakischen Geschichte. So schildert das heroische Epos „Svatopluk“ (1833) in zwölf Gesängen den großmährischen Herrscher, die Bewältigung aller inneren Schwierigkeiten und Feinde, den Sieg über die fränkischen Heere und die Gründung eines mächtigen slowakischen Königreiches. In der „Cyrilometodiada“ (1835), einem heroischen Epos in sechs Gesängen, werden die Slawenlehrer Konstantin-Kyrill und Method, gegen den heftigen Widerstand der deutschen Bischöfe wie der heidnischen Priesterschaft wirkend, als Begründer des slowakischen Christentums mit slawischer Liturgie gefeiert. So schwach die historischen Fundamente beider Epen auch waren, ihre gezielte Tendenz entsprach weitgehend den analogen Überzeugungen der slowakischen Erweckergeneration und tat ihre Wirkung noch weit über H.s Grab hinaus. Zudem vermochte H. seine Leser durch meisterliche Formtechnik und satte Schilderungen zu fesseln.
Die bleibende Bedeutung H.s als des einzigen Dichters aus der Schule Bernoláks besteht in der Festigung des slowakischen Nationalbewußtseins mit literarischen Mitteln. Außerdem hat H. zum erstenmal die westslowakische Umgangssprache in poetischen Werken verwendet.

Literatur

Rosenbaum, Karol: Ján Hollý. In: Dejiny slovenskej literatúry. Bd 2. Literatúra národného obrodenia. Hrsg. Ivan Kusý. Bratislava 1960, 201-234.
Ján Hollý očami svojích súčasníkov. Bratislava 1964.
Kočák, Michal: Ján Hollý (K 180. výročiu narodenia). Martin 1965.
Gogolák: Bd 2, S. 122-129.

Verfasser

Josef Hahn (GND: 1121331297)

Empfohlene Zitierweise: Josef Hahn, Hollý, Ján, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 175-176 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=969, abgerufen am: 24.07.2024