Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Durham, Mary Edith

Durham, Mary Edith, britische Malerin und Balkanforscherin, * London 8.12.1863, † ebd. 15.11.1944, Tochter des angesehenen Chirurgen Arthur E. D.

Leben

D. erhielt ihre Erziehung am Bedford College und an der Royal Academy of arts. Über ihr 35. Lebensjahr hinaus stand die Malerei im Vordergrund ihrer Interessen: Sie illustrierte Bücher und stellte ab 1892 Porträts und Genredarstellungen aus. Durch den Zufall einer Erholungsreise nach Dalmatien kam sie im Jahre 1900 zuerst mit der buntscheckigen Welt des nordwestlichen Balkangebietes in Berührung, die sie dann bis zu ihrem Lebensende nicht mehr losließ. 1901 unternahm sie ihre erste Entdeckungsreise nach Montenegro und von da an weilte sie Jahr für Jahr jeweils zwei Monate, ab 1906 sogar den größten Teil des Jahres in Albanien, Bosnien, Serbien, Mazedonien und Montenegro, bis der Ausbruch des Ersten Weltkrieges ihrer Entdeckerfreude ein nicht mehr zu überwindendes Hemmnis bereitete. Konnte sie auch mit fortschreitendem Lebensalter nicht mehr nach Südosteuropa reisen, so hat sie den von ihr persönlich gekannten Gebieten bis in die letzten Lebensjahre eine ungebrochene Aufmerksamkeit geschenkt. Aufgrund ihrer bald erworbenen ausgezeichneten serbischen und albanischen Sprachkenntnisse und ihrer warmen Menschlichkeit hat sie den Zugang zu den sonst gegen Fremde eher verschlossenen Bergbewohnern gefunden, ihre persönlichen und sozialen Probleme, ihre Sitten und Gebräuche aus erster Hand kennengelernt. In zahlreichen Skizzen hat sie Menschen und Landschaften festgehalten, zahllose Erzeugnisse der Volkskunst käuflich oder als Geschenk erworben und britischen Museen überlassen. Durch eine Reihe von Büchern und durch Beiträge in Tageszeitungen und Zeitschriften wie „Times“, „Manchester Guardian“, „The Nation“ u. a. vermittelte sie ihre Beobachtungen einem breiteren Leserkreis ihrer Heimat. Ihre karitativen Bemühungen um die Opfer der mazedonischen Unruhen von 1904 und um die vom Balkankrieg heimgesuchten Albaner machten auch bei weiten Bevölkerungsschichten dieser Völker ihren Namen zu einem Begriff. In der zweiten Lebenshälfte verfolgte sie von London aus mit wachem Sinn die Zeitgeschichte der genannten Gebiete und veröffentlichte einen Teil des von ihr gesammelten ethnographischen Materials.
Ihr erstes Buch „Through the lands of the Serb“ (1904) schildert Reiseerlebnisse, wobei schon hier sich ihre Begeisterung für die materielle Volkskultur zeigt. Dann folgt 1905 „The burden of the Balkans“, in dem nun die zeitgenössische Politik in den Vordergrund drängt und die ersten Beobachtungen über die Albaner niedergelegt sind. Ganz dem nördlichen Albanien gewidmet ist der Band „High Albania“ (1909), der auf einen achtmonatigen Aufenthalt unter den Bergstämmen zurückgeht. Den Abschluß der Reiseperiode markiert „The struggle for Scutari“ (1914), in dem die Verfasserin aus ihrer Sicht die Vorgeschichte und den Verlauf der Balkankriege darstellt. Dabei liegen ihre Sympathien jetzt ganz deutlich bei den Albanern, während Serben und Montenegriner bei ihr schlecht wegkommen. Nach dem Ersten Weltkrieg erschien als Rückblick „Twenty years of Balkan tangle“ (1920), in dem wichtige Erkenntnisse aus ihren unveröffentlichten Tagebüchern verbunden sind mit herber Kritik an der Haltung einzelner Regierungen. Fünf Jahre später wird als rein historische Untersuchung „The Serajevo crime“ publiziert, worin sie im wesentlichen sich den österreichischen Standpunkt zu eigen macht. Ihr eigentliches Lebenswerk findet seine freilich fragmentarische Zusammenfassung in „Some tribal origins, laws und customs of the Balkans“ (1928). Hier sind historische, ethnologische und folkloristische Materialzusammenstellungen und Untersuchungen vereinigt, die auch heute noch wertvoll sind.
War die Verfasserin auch keine Fachwissenschaftlerin - immerhin wählten das „Royal Anthropological Institute“, die „Folklore society“ und das „Royal Institute of International Affairs“ sie zu ihrem Mitglied - so haben ihre langjährigen Reisen, auf denen sie eine geradezu männliche Unerschrockenheit und Zähigkeit bewies, sie zu einer kaum zu übertreffenden Landeskennerin gemacht, deren Rat auch von Diplomaten und Politikern geschätzt, freilich selten befolgt wurde.

Literatur

Vaina, Eugenio: La nazione Albanese. Catania 1917(2).
Myres, John L., Braunholtz, H. J. und Blackwood, Beatrice: Miss Edith Durham. In: Man 45 (1945) 21-23.

Verfasser

Gerhard Grimm (GND: 13735374X)

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Empfohlene Zitierweise: Gerhard Grimm, Durham, Mary Edith, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 448-449 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=769, abgerufen am: (Abrufdatum)

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