Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Asen I.

Asen I., bulgarischer Zar 1187-1196, † 1196, Mitbegründer des Zweiten Bulgarischen Reiches.

Leben

Die beiden Brüder Petŭr und A. aus einem vornehmen bulgarisch-kumanischen Geschlecht in der Gegend von Tŭrnovo erbaten sich im Herbst 1185 vom byzantinischen Kaiser Isaak II. Angelos Landbesitz, der ihnen verwehrt wurde. Als der Kaiser wegen seiner Heirat mit der ungarischen Königstochter Margarete (Tochter Bélas III.) die Steuern und Abgaben des seit fast zwei Jahrhunderten unter byzantinischer Herrschaft stehenden bulgarischen Volkes erhöhen wollte, fanden Petŭr und A., die sich persönlich gekränkt fühlten, rasch zahlreiche Unzufriedene für einen organisierten Aufstand.
Der Befreiungsbewegung war anfangs infolge byzantinischer innenpolitischer Schwierigkeiten Erfolg beschieden, bis im Sommer 1186 der Kaiser zu einem Feldzug gegen die aufbegehrenden Bulgaren rüstete. Petŭr und A. sahen sich genötigt, zu den Rumänen nördlich der Donau zu fliehen. Mit kumanischer Hilfe kehrten die Brüder zurück, um ganz Bulgarien zu befreien. Nach dreimonatiger vergeblicher Belagerung von Loveč im Sommer 1187 mußte Isaak II. Angelos mit den Bulgaren Frieden schließen; als Friedensbürge ging Kalojan, der jüngere Bruder der beiden bulgarischen Anführer, nach Konstantinopel. A. wurde in Tŭrnovo zum Zaren gekrönt und Vasilij als Erzbischof inthronisiert, wodurch die staatliche und kirchliche Unabhängigkeit manifestiert werden sollte. Während des dritten Kreuzzuges suchte A. die Unstimmigkeiten zwischen den Kreuzrittern und Byzantinern auszunützen, was aber an der Unentschlossenheit Friedrich Barbarossas scheiterte und die feindselige Haltung Isaak II. Angelos gegen die Bulgaren verschärfte. Im Frühling 1190 belagerte der Kaiser Tŭrnovo, wurde aber durch List zum Abzug gezwungen und in den Schluchten des Balkangebirges von den Bulgaren geschlagen.
In den folgenden Jahren gelang es A., weitere Gebiete im Süden und Westen zu befreien. Während der Vorbereitung eines neuen Gegenschlages fiel Isaak II. Angelos 1195 einem Umsturz zum Opfer. Der Nachfolger, Isaaks Bruder Alexios III. Angelos, suchte Verhandlungen mit A., die aber zu keinem Ergebnis führten. A. besiegte 1195 in einer neuen Schlacht die Byzantiner in der Nähe von Serres und nahm ihren Heerführer gefangen. Auf dem Gipfel seiner Erfolge wurde er 1196 von seinem Vetter Ivanko ermordet, der vermutlich von bulgarischen Boljaren wegen A.s zentralistischer Politik gedungen worden war.

Literatur

Mutafčiev, Petŭr: Proizchodŭt na Asenevci. In: Maked. Pregled 4, (1928) 4, 1-42.
Zlatarski, Vasil N.: Potekloto na Petra i Asenja, vodačite na vŭstanieto v 1185 g. In: Spis. Bŭlg. Akad. Nauk. 45 (1933) 8-48. Angelov, Dimitŭr: Potekloto na Asenevci i etničeskijat charakter na osnovanata ot tjach dŭržava. In: Ist. Pregled 3, (1946/7) 3, 374-383.
Wolf, Robert L.: The „Second Bulgarian Empire“. Its origin and history to 1204. In: Speculum 24 (1949) 167-206.
Dujčev, Ivan: Vŭstanieto v 1185 g. i negovata chronologija. In: Izv. Inst, bŭlg. Ist. 6 (1956) 327-356.

Verfasser

Detlef Kulman (GND: 128703393)

GND: 1106406893


RDF: RDF

Vorlage (GIF-Bild):  Bild1   Bild2   

Empfohlene Zitierweise: Detlef Kulman, Asen I., in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 102-103 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=483, abgerufen am: (Abrufdatum)

Druckerfreundliche Anzeige: Druckerfreundlich

Treffer 
 von 1526