Alfons V. von Aragon (I. von Neapel)

GND: 118648098

Alfons V. von Aragon (I. von Neapel), König von Aragon, Valencia, Mallorca, Sizilien, Neapel, Sardinien und Graf von Barcelona, * 1396, † vor Genua 27.06.1458.

Leben

A. wurde 1422 von Johanna II. von Neapel gegen die Anjou zu Hilfe gerufen, adoptiert, zum Herzog von Kalabrien ernannt und zum Nachfolger auf den Thron bestimmt. Aber bereits 1423 entzweite er sich mit der Königin und mußte das Land verlassen. Nach dem Tode Johanna's II. (1435), die ihr Reich René von Anjou hinterlassen hatte, nahm er aber den Kampf um Neapel wieder auf und konnte 1442 als Sieger in die Hauptstadt des Königreiches einziehen.
Im östlichen Mittelmeerraum verfolgte A. die gleiche Politik wie seine Vorgänger, die Anjou: Es ging ihm um die Wiedererrichtung des lateinischen Kaiserreiches in Konstantinopel, dessen Krone er zu gewinnen hoffte. Von daher sind auch seine Bemühungen zu verstehen, mit den verschiedensten balkanischen Machthabern Bündnisse abzuschließen, um dem immer mehr an Macht gewinnenden Osmanenstaat und der venezianischen Konkurrenz begegnen zu können: Bereits 1443 fanden in Neapel Geheimgespräche mit den Abgesandten Stefan Vukčićs, des Herzogs von „Sv. Sava“ (der heutigen Herzegowina), statt. Als dieser mit Unterstützung von Stefan Crnojević Venedig angriff, stellte A. dann auch seine Galeeren für den Schutz von Castelnuovo (Hercegnovi), der Residenz von Vukčić, zur Verfügung. Mit dem Führer der albanischen Liga, Skanderbeg, schloß A. am 26. März 1451 in Gaeta ein Bündnis, das eine Art Vasallitätsverhältnis des Albaners begründete (diese Frage ist in der albanischen Historiographie allerdings umstritten). Kruja bekam eine katalanische Garnison und wurde Sitz des von A. ernannten Statthalters Ramon de Ortafa. Skanderbeg erhielt dafür finanzielle und militärische Unterstützung, besonders die dringend benötigte Artillerie. Auch mit anderen albanischen Fürsten, wie Gjergj Arianiti (1451) und Simon Zenebishi (1455) schloß A. derartige Abmachungen. Ebenfalls 1451 kam es zu einem Beistandspakt zwischen A. und Demetrios Palaiologos, dem Despoten von Morea. Griechische Emigranten (vor allem Gelehrte), die vor den Türken geflohen waren, fanden in Neapel bereitwillig Aufnahme.
Aus alledem wird ersichtlich, daß A. eine großangelegte Aktion gegen die Osmanen plante, zu deren Durchführung es wegen des bald darauf erfolgten Todes des Königs nicht mehr kam.

Literatur

Cerone, Francesco: La politica orientale di Alfonso d’Aragona. In: Archivio storico per le Provincie Napoletane 27 (1902) 3-93, 380-456, 555-634, 774-852. 28 (1903) 154-212.
Marinesco, C.: Alphonse V, roi ďAragon et de Naples, et ď Albanie de Scanderbeg. In: Mélanges de l'École Roumaine en France 1 (1923) 1-135.

Verfasser

Peter Bartl (GND: 133417492)

Empfohlene Zitierweise: Peter Bartl, Alfons V. von Aragon (I. von Neapel), in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 51-52 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=433, abgerufen am: 10.07.2020