Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Ştefăniţă

Ştefăniţă (Ştefan cel Tînăr, Stefan der Junge), Fürst der Moldau 1517-1527, * 1504, † Hotin (Chotin) 14.01.1527, illegitimer Sohn Bogdans III. cel Orb und der Stana, Enkel Stefans des Großen.

Leben

Da Şt. beim Tode seines Vaters noch minderjährig war, übernahm der Rat der höchsten Würdenträger, der Divan, die Führung der Staatsgeschäfte. An der Spitze stand der schon aus der Zeit Stefans des Großen als Vertreter bojarischer Interessen bekannte portar von Suceava Luca Arbure. Dieser verfolgte als Vormund des jungen Herrschers eine enge Zusammenarbeit mit Polen. Es kam 1517 zum Abschluß eines Vertrages, der eine Erneuerung der Bündnisse von 1499 und 1501 bedeutete. Im Zusammenhang damit erfolgte, wohl durch die Mißbilligung Sultan Selims I. bedingt, 1518 ein Einfall der Tataren unter Sultan Alb in die Moldau. Das moldauische Heer unter dem vornic Petre Cărăbăţ errang aber über die Invasoren am 9. August an der Mündung des Cihuru in den Pruth beim Dorfe Costeşti einen bedeutenden Sieg. 1522 verschlechterten sich die Beziehungen zu Polen, wobei die Ursachen einerseits in der schrittweisen Übernahme der Regierung durch Şt., andererseits im Desinteresse Polens an der christlichen Liga - König Sigismund I. hatte König Ludwig II. von Ungarn 1521 gegen die Türken nicht unterstützt - zu suchen sein dürften. Zudem führten Maßnahmen Şt.s gegen die führenden Bojaren zu deren Flucht nach Polen, wobei Sigismund die Auslieferung verweigerte. Schließlich kam es nach der Verhaftung und Hinrichtung Arbures (April 1523) zu einer offenen Auseinandersetzung des Fürsten mit den Bojaren, die der Herrscher, gestützt auf die rangniederen Bojaren, die Bürger und Bauern, im September 1523 gewinnen konnte. Die größtenteils in Gefangenschaft geratenen hohen Bojaren ließ Şt. hinrichten, der Rest flüchtete nach Polen, Siebenbürgen und in die Walachei. Die Beziehungen Şt.s zu Ungarn blieben während seiner ganzen Regierung ungetrübt, Befehle des Sultans zu einem Einfall in Siebenbürgen wußte der Fürst geschickt zu negieren, allerdings leistete er auch Ludwig II. keine Hilfe. Im Jahre 1524 überraschte Şt. bei Tărăsăuţi am Pruth einen Trupp aus Polen zurückkehrender Türken, den er vollkommen aufgerieben haben soll. 1526 unternahm Şt. einen Zug in die Walachei gegen den Fürsten Radu dela Afumaţi, der eine der beiden Töchter des verstorbenen Fürsten Neagoe Basarab geheiratet hatte, obwohl Şt. versprochen worden war, zwischen beiden wählen zu dürfen. Der Herrscher der Moldau vermählte sich zwar mit der älteren Stana, doch kam es in diesem Zusammenhang zu einem Einfall Radus in die Moldau und zu einem nochmaligen Zug Şt.s in die Walachei. Kurz nach der Rückkehr von seinem zweiten Zug starb der Fürst überraschend in Hotin und wurde im Putna-Kloster beigesetzt.
Şt. ist es im Gegensatz zu seinen Nachfolgern gelungen, die Unabhängigkeit seines Fürstentums gegen den sich verstärkenden osmanischen Druck und die Prätentionen des polnischen Nachbarstaates erfolgreich zu verteidigen.

Literatur

Ursu, Horia: Domnia lui Ştefăniţă vodă. Zece ani din istoria politică a Moldovei (1517-1527). Cluj 1940.
Costăchescu, Mihai: Documentele moldoveneşti de la Ştefăniţă Voevod (1517-1527). Iaşi 1943.
Ursu, Horia: Moldova în contextul politic european (1517-1527). Bucureşti 1972.

Verfasser

Manfred Stoy (GND: 1125126671)

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Empfohlene Zitierweise: Manfred Stoy, Ştefăniţă, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 193-194 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1697, abgerufen am: (Abrufdatum)

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