Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Petru Rareş

Peter IV. Rareş (Petru Rareş), Fürst der Moldau 1527-1538 und 1541-1546, * 1487, † Jassy (?) 03.09.1546, illegitimer Sohn Stephans des Großen und der Maria aus Hârlău, verheiratet in 1.Ehe mit einer Maria, in 2. Ehe mit Jelena Branković, Tochter des serbischen Despoten Jovan Branković.

Leben

Über den Aufenthalt und die Tätigkeit P.s vor seiner Thronbesteigung am 20. Januar 1527 ist nur wenig bekannt. Wahrscheinlich hat er sich vorwiegend in Polen aufgehalten. Im Zuge der Auseinandersetzung um die ungarische Krone nach 1526 stellte sich P. nach Verhandlungen mit den habsburgischen Gesandten Laurenz Mißhillinger und Georg Reichersdorffer zuerst auf die Seite König Ferdinands I. Dies hatte zur Folge, daß Siebenbürgen nach der Flucht János Szapolyais zum Großteil für den Habsburger Partei ergriff. Mit dem Umschwung der Lage - 1528 bis 1530 befand sich Ferdinand in der Defensive - wechselte auch P. die Fronten und ging zu Szapolyai über. Zwei moldauische Heere unter dem Vornic Grozav fielen in Siebenbürgen ein und schlugen die Anhänger Ferdinands am 22. Juni 1529 bei Földvár (Feldioara). Als Gegenleistung erhielt P. von Szapolyai die Städte Bistritz (Bistriţa), Rodna mit den Silber- und Goldgruben, Bálványos (Unguraşul) sowie die Bestätigung des väterlichen Besitzes der Burgen von Csicsó (Ciceiul) und Küküllővár (Cetatea Baltă). Damit verfügte der Fürst der Moldau über einen beträchtlichen Teil Siebenbürgens. Anschließend an diesen Erfolg wandte sich P. nach Norden und besetzte Ende 1530 das seit Bogdan III. (1504-1517) in polnischem Besitz befindliche Pokutien. Zu diesem Zeitpunkt stand P. auf dem Höhepunkt seiner Macht, sein Einfluß erstreckte sich auch auf die Walachei, wo der Fürst VladÎnecatul mit seiner Tochter Ana verheiratet war. Die in Pokutien eingerückten moldauischen Truppen wurden aber von den Polen unter ihrem Hetman Jan Tarnowski am 22. August 1531 bei Obertyn geschlagen. Die Kämpfe um dieses Gebiet gingen in den folgenden Jahren weiter, und auch Vermittlungsversuche Szapolyais und Aloisio Grittis, eines in türkischen Diensten stehenden Venezianers, blieben erfolglos. Angesichts dieser Tatsache bereitete P. wieder einen Frontwechsel vor. Er fiel 1534 in Siebenbürgen ein, nahm den zur Führung habsburgisch-türkischer Fridensverhandlungen bevollmächtigten Gritti gefangen und lieferte ihn dessen siebenbürgischen Gegnern aus, die ihn ermordeten. Im April 1535 Unterzeichnete P. einen Vertrag, durch den er sich König Ferdinand unterstellte und seine Unterstützung im Kampfe gegen die gerade in einen Perserkrieg verwickelten Türken antrug. Infolge Erkrankung des kaiserlichen Heerführers Hans Katzianer konnte jedoch dieses Angebot nicht genützt werden. In der Pokutienfrage sicherte sich P. die habsburgische Friedensvermittlung, wobei aber die in Krakau geführten Gespräche scheiterten und in der Folge zu einem polnischen Einmarsch in die Moldau führten. Gleichzeitig schickte sich Sultan Süleyman I. an, die Ermordung Grittis zu rächen. Somit sah sich P. 1538 einem gleichzeitigen Angriff der Polen, Türken und Tataren ausgesetzt. Nach einem Erfolg gegen die Tataren bei Ştefăneşti und einem Waffenstillstand mit den Polen wollte er sich gegen die Türken wenden, wurde aber von den Bojaren, die mit seiner autokratischen Herrschaft nicht einverstanden waren, im Stich gelassen und mußte nach Siebenbürgen flüchten. 1541 erreichte er in Konstantinopel neuerlich seine Einsetzung als Fürst der Moldau. P. nahm sogleich mit König Ferdinand Verbindung auf und sagte bei habsburgischer Unterstützung zu, gegen den Sultan zu rebellieren. Zu einer moldauischen Unterstützung kam es dann im Rahmen des Feldzuges von 1542, als das 1541 von den Türken besetzte Ofen zurückerobert werden sollte. P. verpflichtete sich gegenüber dem Oberbefehlshaber Joachim II. von Brandenburg zu Kundschafterdiensten, Versorgung des Heeres und lieh dem Kurfürsten sogar eine in den Quellen wohl zu hoch bezifferte Summe von 200 000 ungarischen Goldgulden. Aber auch dieser Feldzug verlief ergebnislos.
P. starb im Jahre 1546 eines natürlichen Todes und wurde im Pobrata Kloster beigesetzt. Er war für lange Zeit der letzte Herrscher der Moldau, der eine aktive selbständige Außenpolitik verfolgt hat, das weitere Abrutschen des Fürstentums in den türkischen Machtbereich vermochte er jedoch nicht zu verhindern. So war der jährliche Tribut unter seiner Herrschaft von 8 000 auf 10 000 Dukaten gestiegen und im Zuge der Ereignisse von 1538 Südbessarabien von den Türken besetzt worden. Ab 1538 bzw. 1541 waren die Fürsten mehr oder minder bei der Bestätigung ihrer Würde an die Zustimmung des Sultans gebunden, was in der rumänischen Historiographie als ein entscheidender Abschnitt im Hinblick auf den Verlust der Selbständigkeit betrachtet wird.

Literatur

Ursu, Ion: Die auswärtige Politik des Peter Rareş, Fürst von Moldau (1527-1538). Wien 1908.
Nistor, Ion: Die moldauischen Ansprüche auf Pokutien. Wien 1910.
Ursu, Ion: Petru Rareş, domn al Moldovei de la 20. ian. 1527 pînă la 14. sept. 1538 şi din febr. 1541 pînă la 3. sept. 1546. Bucureşti 1923.
Almaş, Dumitru: Petru voievod Rareş. Bucureşti 1970.
Simionescu, Paul: Petru Rareş. Domnul şi vremea sa. Bucureşti 1970.
Petru Rareş. Bucureşti 1978.

Verfasser

Manfred Stoy (GND: 1125126671)

GND: 129838330


RDF: RDF

Vorlage (GIF-Bild):  Bild1   Bild2   Bild3   

Empfohlene Zitierweise: Manfred Stoy, Petru Rareş, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 434-436 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1522, abgerufen am: (Abrufdatum)

Druckerfreundliche Anzeige: Druckerfreundlich

Treffer 
 von 1526
Ok, verstanden

Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Mehr Infos