Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Peçevî, Ibrahim

Peçevî, Ibrahim, osmanischer Geschichtsschreiber, * Fünfkirchen 1574, † 1649 (?).

Leben

Nachrichten über P.s Leben erfahren wir aus dem von ihm verfaßten Geschichtswerk. Er stammte aus Fünfkirchen (ungarisch Pécs) und sein Name lautete wohl Peçuylu, hat sich jedoch in falscher Lesung der in arabischer Schrift ohne Vokalzeichen geschriebenen Namensform als Peçevî eingebürgert. P.s Urgroßvater hatte nach der Eroberung Bosniens (1463/64) durch Sultan Mehmed II. den Eroberer dort eine Groß-Pfründe von 50 000 Aqçe inne. Sein Großvater war ebenfalls in Bosnien ansässig. Erst P.s Vater, der an Sultan Süleymans I. Irak-Feldzug teilgenommen haben soll, ließ sich wohl nach der Eroberung Fünfkirchens durch die Türken im Jahre 1543 dort nieder. P.s Mutter stammte aus der berühmten Familie der Sokollu  (Sokolović).
Als P. mit 14 Jahren seinen Vater verlor, wurde er bei seinem Onkel Ferhad Pascha, dem Beylerbey von Ofen, erzogen. Nach dessen Ermordung durch seine eigenen Soldaten ging P. zunächst zu seinen Verwandten nach Bosnien und trat bei Ausbruch des Krieges mit Österreich („Langer Krieg“ 1593-1606) in militärische Dienste. Er nahm an den Feldzügen Sinan Paschas teil und erlebte dann die entscheidenden Phasen des Krieges, meist an der Seite des mit ihm verwandten Lala Mehmed Pascha, der 1604 Großwesir wurde. Im Jahre 1595 machte er die Belagerung von Gran mit und war im September bei der Übergabe der Festung an die Kaiserlichen als Bevollmächtigter anwesend. Im Oktober 1596 nahm er an dem von Sultan Mehmed III. persönlich geführten siegreichen Feldzug gegen Erlau (Eğri) teil (Schlacht von Keresztes 23.-26.10. 1596) und 1598 an der Belagerung von Großwardein. Nach der Thronbesteigung Sultan Ahmeds I. (1603) hatte er zum ersten Male Gelegenheit, Istanbul zu besuchen, als er im Auftrag Lala Mehmed Paschas Nachrichten überbrachte. Nach der Rückeroberung Grans am 29. September 1605 überbrachte P. persönlich dem Sultan die Freudenbotschaft und wurde dafür ausgezeichnet. Nach dem Tode seines Gönners Lala Mehmed Pascha (1606) wurde P. mit der Steuerkonskription der Sandschaks Eğriboz (Euböa), Inebaḫti (Epaktos) und Qarlı-eli betraut. Danach zog er sich, trotz bester Angebote, im Staatsdienst zu bleiben, in seine Heimat zurück. Zwischen 1621 und 1624 versah er dann das Amt des Fiskus-Vorstehers (defterdar) in Diyarbekir und später in Tokat und der Donauprovinz. Von 1632 bis 1635 war er Wali in Stuhlweißenburg und später Fiskus-Vorsteher von Bosnien und Temeschwar.
Im Jahre 1641 zog sich P. endgültig aus dem Staatsdienst zurück und widmete sich in Ofen und Fünfkirchen ganz der Abfassung seines Geschichtswerkes, das eines der wichtigsten Quellen für die Zeit von der Thronbesteigung Süleymans des Großen (1520) bis zum Tode Murads IV. (1640) ist. Während er sich für die ältere Zeit auf osmanische Chronisten stützte, konnte er von den späteren Ereignissen oft als Augen- und Ohrenzeuge berichten. Bemerkenswert ist, daß er wohl als erster osmanischer Geschichtsschreiber auch nichtmuslimische Geschichtswerke, wie die Chroniken des Kaspar Helth und Miklós Istvánffy, heranzog. P.s Chronik ist in reinem, einfachen Türkisch geschrieben. Da er auch des Ungarischen mächtig war, verwandte er auch viele ungarische Wörter. Das Werk ist in zahlreichen Handschriften vorhanden, wurde 1867 in Istanbul in zwei Bänden gedruckt und 1968/69 von Murat Uraz neu herausgegeben (Peçevî Tarihi).

Literatur

Kraelitz, Friedrich von: Der osmanische Historiker Ibrāhīm Pečewī In: Der Islam 8 (1918) 252-260.
Beldiceanu, N. N.: Şitirile din Ibrahim Pacevi privind pe Mihai Viteazul şi anii 1613-1617 în Moldova şi Transilvania. In: Orizonturi 4 (1952) 2, 28-43.
Turan, Şerafeddin: Peçevî Ibrahim. In: Islam Ansiklopedisi 9 (1970(2)) 543 -545.
Schaendlinger, Anton C.: Die Probleme der Redaktionen der Chronik des Ibrāhīm Pečevī Pečuylu. In: Wiener Z. Kde Morgenlandes 63/64 (1972) 176-186.

Verfasser

Klaus Schwarz (GND: 131706578)


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