Osman III.

Osman III., osmanischer Sultan 1754-1757, * Edirne 03.01.1699, † Istanbul 30.10.1757, Sohn Mustafas II. und der Şehsüvar Sultan.

Leben

Über fünfzig Jahre seines untätigen Lebens in einem feuchten, halbdunklen Saraygemach hatten aus O. einen unförmig fetten, kränklichen, von Minderwertigkeitsgefühlen beherrschten, jähen, harten, sprunghaften und unentschlossenen Mann gemacht. Ohne Einsicht, Übersicht und Erfahrung überließ er sich kurzsichtigen Einfällen, Launen und den Einflüssen seiner Umgebung. Allerdings blieb der Harem ohne Macht auf den schreckhaften Weiberfeind. Nachdem er sich durch ein überreichliches Thronbesteigungsgeschenk an die Truppen gesichert glaubte, fühlte er sich in seiner Sultansrolle noch unbehaglich durch die Existenz des bekanntermaßen fähigen Prinzen Mehmed. Er suchte das Einverständnis seines zweiten Großwesirs Hekimoğlu Ali Pascha, den Prinzen zu vergiften, aber erst der sechste, Bâhir Mustafa Pascha, ließ die Tat zu. O.s persönlicher Beitrag zur Politik war es, den Kleiderluxus reichgewordener Handwerker und Kaufleute zu unterbinden, aufgeputztes Ausgehen der Frauen zu verbieten, eifernd ihre Vermummung zu gebieten und die Kleider Vorschriften für Nichtmuslime zu verschärfen. Zu seinen Herrscheraufgaben machte er es, die Weinschenken zu kontrollieren und sich verkleidet mit kleinem Gefolge unters Volk zu mischen, um dort Meinungen über Staat und Würdenträger zu belauschen. Zum Glück sah sich das Reich während O.s Regierungszeit (Thronbesteigung 14.12.1754) weder von Außen noch von Innen besonders gefährdet. Die europäische Diplomatie arbeitete an der Umkehrung der Allianzen - welche aus osmanischer Sicht den ältesten Freund Frankreichs an die Seite der größten Feinde Österreich und Rußland brachte - und manövrierte sich in den Siebenjährigen Krieg. Doch der Friede von Belgrad (1739) mit Österreich und Rußland hatte Bestand. Gegen die russische Gefahr in Neuserbien allerdings, zwischen Dnjestr und Bug, suchte man die Grenzsicherung zu verbessern. Gegen die Überfälle der Malteser auf osmanische Handelsschiffe errichtete man eine Festung auf Lesbos. Mit Dänemark wurde ein Handelsvertrag geschlossen (1757). In Algerien und Ägypten lockerte sich die osmanische Herrschaft immer deutlicher, die Gegend von Erzurum beherrschten Räuberbanden, ohne daß dagegen viel getan oder erreicht werden konnte. Die offenbare Schwäche des Reiches bewirkte weitgehende politische Passivität, zumal der siebenmalige Wechsel im Großwesirat jeden Ansatz zu einer aktiveren oder kontinuierlichen Politik zunichte machte. Ein Bündnisvorschlag Peußens und die persischen Wirren waren indes außenpolitische Fragen, die durchaus Interessen des Reiches berührten. Die innenpolitischen Notwendigkeiten lagen ohnedies auf der Hand. Unter den Großwesiren hätte es nicht an Staatsmännern gefehlt: Hekimoğlu Ali Pascha wäre ebenso zu einer gezielten und stetigen Politik fähig gewesen, wie später Mehmed Râgıb Pascha, der als letzter Großwesir O.s der Absetzung nur durch Krankheit und Tod des Sultans entging, dann aber unter Mustafa III. (1757-1774) seine Tüchtigkeit beweisen konnte.

Literatur

Altundağ, Şinasi: Osman III. In: Islâm Ansiklopedisi. Bd 9. Istanbul 1960, 448-450.

Verfasser

Hans Georg Majer (GND: 129740098)

Empfohlene Zitierweise: Hans Georg Majer, Osman III., in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 367-368 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1485, abgerufen am: 18.12.2018