Maximilian II. Emanuel

GND: 11857941X

Maximilian II. Emanuel (der „Blaue König“), bayerischer Kurfürst 1679-1726, * München 11.07.1662, † ebd. 26.02.1726, Sohn des Kurfürsten Ferdinand Maria und der Adelheid Henriette von Savoyen, Enkel des ersten bayerischen Kurfürsten Maximilian I., aus dem Hause Wittelsbach.

Leben

Nachdem M. nach dem Tode seines Vaters (26.05.1679) die Regierung angetreten hatte, die bis zu seiner Volljährigkeit 1680 unter der Vormundschaft seines Onkels Maximilian Philipp, Herzog von Bayern, stand, näherte er sich unter Aufgabe der bisherigen frankophilen Politik Bayerns den Habsburgern. Am 26. Januar 1683 schloß er mit Kaiser Leopold I. ein Defensivbündnis gegen die Türken und gegen Frankreich. Im selben Jahr, nach dem Abschluß eines bayerisch-österreichischen Zusatzvertrages vom 6. August, zog der Kurfürst mit 12 000 Mann zur Befreiung der von den Türken unter Kara Mustafa Pascha belagerten Stadt vor Wien und nahm an der Entsatzschlacht vom 12. September am Kahlenberg teil. Am 15. Juni 1685 wurde er mit Maria Antonia, der Tochter Leopolds I., vermählt. In den folgenden Jahren leistete M. in den Türkenkriegen wertvolle persönliche und militärische Hilfe bei Gran (Entsatzschlacht am 16.08.1685), bei den Angriffen auf Neuhäusel (19.08.1685) und Ofen (02.09.1686), in der großen Schlacht bei Harsány (12.08.1687) und vor allem bei der Eroberung Belgrads (06.09.1688), wo er sich durch Tapferkeit und Umsicht auszeichnete. Im gleichen Jahr übernahm er nach dem Rücktritt Karls V. von Lothringen das Oberkommando in Ungarn. 1689/90 unterstützte M. den Kaiser neuerlich gegen Frankreich am Rhein und in Italien und wurde dafür am 12. Dezember 1691 vom spanischen König Karl II. zum Statthalter der Niederlande ernannt. Am 19. August 1694, zwei Jahre nach dem Tode Maria Antonias, vermählte er sich mit der Tochter des polnischen Königs Johann III. Sobieski, Therese Kunigunde. Am 14. November 1698 erreichte M. von Karl II. die Einsetzung seines Sohnes aus erster Ehe, Joseph Ferdinand, zum Universalerben der spanischen Monarchie; der Kurprinz starb jedoch bereits am 6. Februar 1699. Zu Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges schloß der Kurfürst ein Bündnis mit Frankreich (09.03.1701), wofür ihm die Niederlande versprochen wurden. Nach dem Sieg über ein kaiserliches Heer versuchte M. den Vormarsch gegen Österreich, unterstützt durch die ungarische Erhebung der Kuruzzen unter Franz II. Rákóczy, wurde aber am 13. August 1704 bei Höchstädt von Prinz Eugen und John Churchill Marlborough geschlagen. Nachdem der Reichsbann über ihn verhängt worden war (29.04.1706), durch den er Bayerns und der Niederlande verlustig ging, wurde ihm im französischen Exil von den ungarischen Insurgenten unter Rákóczy die Stephanskrone angeboten; doch zögerte M., eine definitive Entscheidung zu treffen, so daß der ungarische Gesandte Ladislaus Kökényesdyi de Vetes, der die Verhandlungen geführt hatte, aus Enttäuschung darüber die gesamte Korrespondenz von Rákóczy mit M. und Ludwig XIV. an die Habsburger auslieferte. Durch die Friedensschlüsse von Rastatt (06.03.1714) und Baden (07.09.1714) erhielt M. sein Stammland wieder. Der mit Prinz Eugen vorgesehene Austausch von Bayern gegen die nun österreichisch gewordenen Niederlande und deren Erhebung zu einem Königtum kam nicht zustande. Im ersten Türkenkrieg Kaiser Karls VI. (1716-1718) unterstützte M. mit einem bayerischen Hilfskorps die Armee des Prinzen Eugen. Die dadurch erreichte Ehe seines Sohnes Karl Albrecht, des späteren Kaisers, mit der Tochter Kaiser Josephs I., Maria Amalia (1722), sollte für die Wittelsbacher Ansprüche auf das Habsburgererbe eröffnen; derartige Pläne wurden aber durch die Pragmatische Sanktion durchkreuzt, worauf sich M. wieder Frankreich zuwandte, aber noch vor Abschluß eines Vertrages starb.

Literatur

Coremans, V. A. G. M.: Miscellanées de l’époque de Maximilien-Emmanuel (1692-1709). Bruxelles 1846.
Heigel, Karl Theodor von: Die Beziehungen des Kurfürsten Max Emanuel zu Franz Rakoczy 1703-1715. In: Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Phil.-Hist. Kl. (1885) 117-146.
Staudinger, Karl: Geschichte des kurbayerischen Heeres. Bd2: Unter Kurfürst Max II. Emanuel 1680-1726. München 1904/5.
Strich, Michael: Das Kurhaus Bayern im Zeitalter Ludwigs XIV. und die europäischen Mächte. 2 Bde. München 1933.
Renner, C. O.: Der „Blaue Kurfürst“. Max Emanuels Feldzüge in Ungarn. In: Unbekanntes Bayern 10 (1965) 125-140.
Köpeczi, Béla: La France et la Hongrie au début du XVIIe siècle. Étude d’histoire des relations diplomatiques et d’histoire des idées. Budapest 1971.
Majer, Hans Georg: Der blaue „König“. In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 38 (1975) 730-738.
Hüttl, Ludwig: Max Emanuel. Der Blaue Kurfürst. München 1976 (mit Bibliographie).
Kurfürst Max Emanuel. Bayern und Europa um 1700. Bd 1: Zur Geschichte und Kunstgeschichte der Max-Emanuel-Zeit. Bd 2: Katalog der Ausstellung im Alten und Neuen Schloß Schleißheim, 2. Juli - 3. Oktober 1976. München 1976.

Empfohlene Zitierweise: Reinhard Rudolf Heinisch, Maximilian II. Emanuel, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 133-134 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1317, abgerufen am: 22.10.2020