Masleša, Veselin

GND: 119064219

Masleša, Veselin, jugoslawischer Revolutionär und Publizist, * Banja Luka 20.04.1906, † Sutjeska 14.06.1943.

Leben

 Nach dem Besuch des Gymnasiums von Banja Luka immatrikulierte sich M. 1925 an der Juristischen Fakultät der Zagreber Universität, ging dann zum Studium an die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät in Frankfurt a. Main (1925-1926), wo er Mitglied der kommunistischen Studentenfraktion wurde, studierte 1927 Wirtschaftswissenschaften und Soziologie in Paris und kehrte kurz darauf endgültig nach Jugoslawien zurück. In den folgenden Jahren (1927-1940) wurde er wiederholt wegen seiner Tätigkeit in der seit der Verordnung („Obznana“) vom 29./30. Dezember 1920 illegalen KPJ verhaftet. Seine publizistische Tätigkeit begann M. beim „Hrvatski list“ (Kroatische Zeitung) in Esseg (Osijek), wandte sich 1928 nach Belgrad, wo er maßgeblich an der Gründung der progressiven Zeitschrift „Nova literatura“ (Neue Literatur) beteiligt war und kehrte 1929 auf Anweisung der Polizei in seinen Geburtsort Banja Luka zurück. Erst ab 1931 konnte er sich fest in Belgrad niederlassen, wo er mit seinen Artikeln in den Zeitschriften „Književnik“ (Der Schriftsteller), „Stožer“ (Der Drehpunkt) und „Danas“ (Heute) die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Probleme seiner Zeit als überzeugter Marxist verfolgte. Obwohl seit der „Obznana“ jegliche politische Propaganda der Kommunisten verboten und die Tätigkeit der Partei unter den Bedingungen der Königsdiktatur Alexanders I. Karadjordjević noch wesentlich erschwert war, arbeitete M. in seinen Schriften auf die künftige politische und wirtschaftliche Umgestaltung der Gesellschaft und des Staates hin, weshalb ihm weitere Verfolgungen nicht erspart blieben. Ab 1937 war er im Auftrag der KPJ-Führung in erster Linie an der auf dem siebenten Weltkongreß der Komintern in Moskau 1935 beschlossenen Schaffung einer antifaschistischen und antireaktionären Volksfront beteiligt und schrieb nebenbei für die Zeitschriften „Nin“ und „Naša stvarnost“
 (Unsere Wirklichkeit). Gleichzeitig beschäftigte er sich mit soziologisch-historischen Studien zur revolutionären Vergangenheit der jugoslawischen Völker („Mlada Bosna“ und „Svetozar Marković“, beide veröffentlicht Belgrad 1945), mit Untersuchungen zum historischen Materialismus sowie mit aktuellen Wirtschaftsproblemen, wobei er sich insbesondere mit der Landbevölkerung als künftigem Verbündeten der revolutionären Arbeiterklasse auseinandersetzte (s. seine Aufsätze in „Dela. Sabrani članci i studije“, 3 Bde, Sarajevo 1954/56). Nach dem Überfall der Achsenmächte auf Jugoslawien im April 1941 hielt sich M. in Montenegro auf, wo er die Propagandaarbeit für das Gebietskomitee der KPJ in Montenegro und den Hauptstab der Partisaneneinheiten dieses Bereiches leitete. Als Mitglied der Politabteilung der 4. montenegrinischen (Befreiungs-)Brigade wechselte er 1942 mit den übrigen Einheiten in die Bosanska krajina hinüber und wurde dort Mitglied der Redaktion des kommunistischen Zentralorgans „Borba“ (Der Kampf) sowie Redakteur und Mitarbeiter einiger anderer Publikationsorgane („Narodno oslobodjenje“ [Nationale Befreiung], „Vojno-politički pregled“ [Militärisch-politischer Überblick] und „Komunist“). Ende November 1942 wurde er in Bihać auf der 1. Tagung des Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens (AVNOJ), der sich „die Koordinierung aller Völker, Konfessionen und antifaschistischen Parteien Jugoslawiens“ im Kampf gegen die Besatzungsmächte zur Aufgabe gestellt hatte, in das Exekutivkomitee des Rates gewählt. Bereits viereinhalb Monate später fiel er jedoch in heftigen Kämpfen mit den Okkupationstruppen beim Übergang über die Sutjeska und wurde posthum zum Nationalhelden erklärt.

Literatur

Nedeljković, Dušan: Veselin Masleša. In: Glas SANU 12 (1963) 69-122 (mit Bibliographie).
Mitrović, Mitra: Veselin Masleša. Beograd 1964.
Gajić, Milorad: Veselin Masleša. Čovjek i pisac. Sarajevo 1970.

Verfasser

Holm Sundhaussen (GND: 120956055)

Empfohlene Zitierweise: Holm Sundhaussen, Masleša, Veselin, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 114-115 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1303, abgerufen am: 22.10.2020