Laurian, August Treboniu

GND: 1027644732

Laurian, August Treboniu, rumänischer Sprachwissenschaftler und Historiker, * Fofeldea (Fofeld, Hermannstädter Stuhl) 20.07.1810, † Bukarest (?) 25.02.1881.

Leben

L. besuchte die Volksschule in Hermannstadt und studierte anschließend in Klausenburg und Wien, wo er auch die Lehramtsprüfung ablegte. Sein erstes grundlegendes Werk „Tentamen criticum in originem, derivationem et formam linguae romanae in utraque Dacia vigentis vulgo valachicae“ veröffentlichte er 1840 in Wien. Darin erwies er sich als Kind seiner Zeit und als charakteristischer Vertreter der „Siebenbürgischen Schule“ (Şcoala ardeleană). Zur Standortbestimmung des Rumänischen innerhalb der romanischen Sprachen hat er - ungeachtet zeitgemäßer Übertreibungen - wesentlich beigetragen; er gilt mit Recht als einer der Begründer der rumänischen Romanistik. L. war ein Fanatiker der Etymologie: Er versuchte Zeit seines Lebens das Rumänische zu „latinisieren“. Seine „Romanisierungsaktion“ hatte allerdings wegen der vielen künstlichen Konstruktionen und Wortschöpfungen, die er durchzusetzen versuchte, nur geringen Erfolg. 1842 übersiedelte L. nach Bukarest, wo er am Sf. Sava-Gymnasium Philosophie unterrichtete. In seiner Tätigkeit als Lehrer übersetzte L. aus dem Französischen ins Rumänische einige Philosophielehrbücher, wie z. B. „Manual de filosofie lucrat după programa Universităţii de la Paris din 1840 de A. Delavigne“ (Lehrbuch der Philosophie nach dem Lehrplan aus dem Jahre 1840 der Pariser Universität von A. Delavigne verfaßt, Bukarest 1846) und „Manual de filosofie şi de literatură filosofică de W. Trang. Krug“ (Lehrbuch für Philosophie und philosophische Literatur von W. Trang. Krug, Bukarest 1847). Bereits 1845 trat er als Mitbegründer (mit Nicolae Bălcescu) der ersten rumänischen historischen Zeitschrift mit wissenschaftlichem Anspruch, „Magazinul istoric pentru Dacia“ (Historische Zeitschrift für Dazien), hervor. 1848 kehrte L. nach Siebenbürgen zurück und beteiligte sich am Aufstand der Rumänen. Als einer der Sekretäre der Volksversammlung in Blaj (Balázsfalva) verlas er die „Nationale Petition“ (petiţiunea naţională), in der die Rumänen Siebenbürgens ihre Ansprüche auf Gleichberechtigung formulierten. Wenige Monate später wurde er für kurze Zeit verhaftet. Nach seiner Entlassung im September 1848 nahm er nun gemeinsam mit Simion Bârnuţiu und Alexandru Papiu llarian an der dritten, von Avram Iancu, Sever Ioan Axente und Iovian Bradu geleiteten Versammlung in Blaj teil, auf der die Richtlinien für den Freiheitskampf festgesetzt wurden. Kurz darauf vertrat er die Anliegen der siebenbürgischen Rumänen vor dem Wiener Hof, doch setzte er sich - angesichts der Erfolglosigkeit seiner Bemühungen - bald in die Moldau ab. 1851 war L. in Jassy als Lehrer und Herausgeber von Schulbüchern tätig. In den Jahren vor 1859 setzte er sich für die Vereinigung der Donaufürstentümer ein. Daneben entwickelte er eine rege kulturpolitische Tätigkeit, war einer der Gründer der Rumänischen Akademie und wurde deren erster stellvertretender Präsident. L.s wichtigste Werke auf sprachwissenschaftlichem und historischem Gebiet hatten allerdings nur zeitbedingte Bedeutung. Werke wie „Scurtă privire asupra istoriei românilor“ (1846; im selben Jahr auch französisch, lateinisch und deutsch [„Schneller Überblick der Geschichte der Romanen“] in Bukarest erschienen), „Temişiana sau scurtă istorie a Banatului (Temişiana oder kurze Geschichte des Banats, Bukarest 1848), „Die Romanen der österreichischen Monarchie“ (3 Bände, Wien 1849/51), „Die Rechte der romanischen Nation gegen die Angriffe der Sachsen, verteidigt, von einem Romanen“ (Wien 1850), „Istoria Românilor“ (Geschichte der Rumänen, 3 Bände, Jassy 1853, Supplement 1857, 2. Aufl. Bukarest 1862), „Dictionariulu limbei române“ (Wörterbuch der rumänischen Sprache, Bukarest 1871/76, zusammen mit Ioan C. Massim) sind nicht nur als Pionierleistung bedeutend, sie besaßen auch Breitenwirkung. Den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen halten diese Werke jedoch nur in geringem Maße stand.

Literatur

Bilciurescu, C.: Laurian A. Treb. In: Revista literară 16 (1895) Nr. 5.
Şăineanu, L.: Istoria filologiei române. Bucureşti 1892 (1895(2)).
Iorga, Nicolae: Un utopist. In: Sămănătorul 2 (1903) 433.
Haneş Petre V.: Dezvoltarea limbii literare române în prima jumătate a secolului al XIX-lea. Bucureşti 1926(2).
Istoria literaturii române. Bd 2: De la şcoala ardeleană la Junimea. Bucureşti 1968, 622 (mit Bibliographie).
Popescu Teiuşan, Ilie und Vasile Netea: August Treboniu Laurian. Viaţa şi activitatea sa. Bucureşti 1970.

Verfasser

I. Ionescu (GND: 119425114)

Empfohlene Zitierweise: I. Ionescu, Laurian, August Treboniu, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 10-11 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1234, abgerufen am: 20.10.2021