Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Knićanin, Stevan Petrović

 Knićanin, Stevan Petrović, serbischer Militärführer und Politiker, * Knić (Kreis Kragujevac) 15.02.1807, † Belgrad 14.05.1855.

Leben

 In seiner Jugend gehörte K. der Leibgarde des Fürsten Miloš Obrenović an. 1836 trat er als Bezirksvorsteher von Jasenica in den Staatsdienst ein. 1839 wurde er Kreisvorsteher von Smederevo. Hier schloß er sich der verfassungstreuen Opposition gegen das autoritäre Regime der Dynastie Obrenović an und mußte 1840-1841 mit 37 anderen oppositionellen Führern das Land verlassen. Nach seiner Rückkehr war er 1842 einer der Anführer des nach Toma Vučić Perišić benannten Aufstandes, durch den Michael Obrenović gestürzt und eine verfassungstreue Regierung unter dem Fürsten Alexander Karadjordjević errichtet wurde. Er war der Hauptinitiator und Organisator des Aufstandes im Kreis Smederevo. Unter der verfassungstreuen Regierung wurde K. 1842 Mitglied des Staatsrates. In der Folge war er während der Regierungskrise für einige Monate für die Sicherheit des Landes verantwortlich, indem ihm die Militärverwaltung in Kragujevac anvertraut wurde. Als 1843 die Differenzen zwischen den verfassungstreuen Führern zu Fraktionsbildungen innerhalb der Partei führten,
 stand K. rückhaltlos zum Fürsten Alexander und blieb bis zum Tod einer seiner treuesten Anhänger. Eine Intrige des früheren Fürsten Miloš Obrenović entzweite Vučić und K., der 1848 auf Verlangen der Petrovska skupština den Abschied nehmen mußte. Kurz darauf begab er sich im August 1848 als Kommandant der zahlreichen serbischen Freiwilligen nach Südungarn, um den dortigen Serben in ihrem nationalen Kampf gegen die revolutionären Magyaren beizustehen. Auf einer Volksversammlung in Karlowitz (Sremski Karlovci), der Majska skupština, hatten die südungarischen Serben die Schaffung einer Serbischen Woiwodina aus den Gebieten Banat, Batschka, Baranya und Syrmien sowie die Vereinigung dieser Woiwodina mit Kroatien, Slawonien und Dalmatien verlangt. K. stellte seine militärischen Fähigkeiten besonders in den Kämpfen bei Tomaševac, Vršac und Pančevo unter Beweis und gewann bedeutenden Einfluß auf die Führer der südungarischen Serben. Im Februar 1849 nach Serbien zurückgekehrt, wurde K. als nationaler Heros gefeiert, „der nach langen Jahren des Friedens den Ruhm der serbischen Waffen erneuert hat“ (Slobodan Jovanović). Seine außerordentliche Popularität stellte er der verfassungstreuen Regierung zur Verfügung, die ihm den Titel eines Woiwoden verlieh, mit dem bis dahin nur Vučić ausgezeichnet worden war. Als 1851 die Opposition wieder gefährlich anwuchs, wurde K. neuerlich nach Kragujevac geschickt, wo ihm ein Teil der regulären Armee unterstand, und wo er fast bis zu seinem Tode blieb. Damit wurde er zur Hauptstütze der Regierung, die er vor Vučić schützte, der sich immer mehr der Opposition näherte. Während des Krimkrieges trat er für die Neutralität Serbiens ein. Als es 1854 galt, eine den Österreichern gefällige Regierung zu bilden, war K. eine Woche Innenminister. Sein Tod hinterließ bei den Verfassungstreuen eine nicht auffüllbare Lücke.

Literatur

Milićević, Milan Dj.: Pomenik znamenitih ljudi u srpskog naroda novijega doba. Beograd 1888.
Jovanović, Slobodan: Ustavobranitelji i njihova vlada (1838-1858). Beograd 1925(2).
Popović, Dušan J.: Srbi u Vojvodini. Bd 3. Novi Sad 1963.

Verfasser

Andreas Moritsch (GND: 123957184)

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Empfohlene Zitierweise: Andreas Moritsch, Knićanin, Stevan Petrović, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 420-421 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1140, abgerufen am: (Abrufdatum)

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