Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Ahmed III.

Ahmed III., osmanischer Sultan 1703-1730, * Hacıoğlu Pazarı 31.12.1673, † Istanbul Juni 1736, Sohn Sultan Mehmeds IV. und der Gülnuş Emetullah Sultan.

Leben

Eine Rebellion (Edirne vak’ası), die seinem Bruder Mustafa II. die Herrschaft gekostet hatte, hob A. am 23. August 1703 in Edirne auf den Thron. Anfänglich von den Rebellen zu Zugeständnissen gepreßt, gelang es ihm nach und nach, deren Repräsentanten aus den Schlüsselpositionen des Staates zu entfernen. Im übrigen schob er die Staatsgeschäfte an die Großwesire ab, denn er selbst genoß lieber weibliche Gesellschaft und künstlerischen Zeitvertreib. Dennoch griff er immer wieder in die Geschäfte ein, indem er, ohne staatsmännischen Blick und politischen Willen, leicht den Einflüsterungen seiner Umgebung nachgab.
A. berief zahlreiche Großwesire, doch fähig waren nur wenige. Çorlulu Ali Pascha, dem es um die innere Konsolidierung des kriegsgeschwächten Reiches ging, fiel, wie nach ihm nicht wenige, dem Einfluß des Silâhdars Ali zum Opfer. Karl XII. von Schweden, der nach der Niederlage von Poltava (1709) in der Türkei Zuflucht gefunden hatte, sorgte für zusätzlichen Parteienkampf durch seine verbissene Forderung nach einem russischen Krieg. Baltacı Mehmed Pascha, der diesen Krieg schließlich unternahm, schloß Peter den Großen und seine Armee am Pruth ein. Doch er gewährte schnell Frieden (1711) und ließ den Zaren abziehen. Die Gründe sind umstritten, die schwedische Propaganda sorgte jedenfalls für eine Auslegung, die zu des Großwesirs Sturz beitrug. Erst als der Sultan seinen Günstling Damad Ali Pascha selbst aus dem Hintergrund ins Großwesirat nötigte, bekam die Reichspolitik wieder einen festen und klaren Zug. Sein Ziel war die Rückgewinnung der Verluste von Karlowitz. Gegen Venedig ging er mit solchem Erfolg vor (1715), daß Österreich dem Verbündeten schleunigst zur Hilfe eilte. Damad Ali Pascha fiel schon bei Peterwardein, und Prinz Eugen konnte Temeschwar, das Banat und Belgrad erobern.
Damad Ibrahim Pascha beendete den Krieg im Frieden von Passarowitz (1718). In ihm hatte der Sultan einen Großwesir gefunden, der seine friedlichen und kulturellen Neigungen teilte und da es die äußeren Verhältnisse erlaubten, riefen sie gemeinsam die „Tulpenzeit“ ins Leben, eine Epoche spätosmanischer Kulturblüte (1718-1730), die man als den eigentlichen und persönlichen Beitrag A.s zur osmanischen Geschichte verstehen kann. Paläste, Gärten, Blumen, Musik, Dichtung, große Feste und eine gewisse Aufgeschlossenheit Neuem, auch Westlichem gegenüber, sind ihre Kennzeichen. Allein der Krieg gegen Persien unterbrach die Friedenszeit; denn die Wirren in diesem Lande ließen auf Ausgleich für die Verluste im Westen durch Gewinne im Osten hoffen. Mit den Russen, die ähnliche Pläne verfolgten, einigte man sich in einem Vertrag (1724) über die Teilung Persiens. Als Nadir Schah fünf Jahre darauf die Rückeroberung der verlorenen persischen Gebiete anging, lösten die halbherzigen Rüstungen einen Janitscharen-Aufruhr aus, der aus sozialer Unzufriedenheit weiteren Zulauf fand. A. opferte seinen Großwesir, dann den Thron (1730) und rettete wenigstens sein Leben.

Literatur

Hammer: Bd 7.
Zinkeisen: Bd 5.
Râšid, Meḥmed: Ta’riḫ. Bde. 3-5. Istanbul 1865.
Küčükčelebizâde, Ismâ'îl ‘Âṣim: Ta’rîḫ. Istanbul 1865.
Jorga: Bd 4.
Kurat, Akdes Nimet: Isveç Kıralı XII Karl’ın Türkiyede Kalıṣı ve bu Sıralarda Osmanlı Imparatorluğu. Istanbul 1943. = Ankara Üniversitesi Dil ve Tarih-Cografya Fakültesi Tarih Enstitüsü. 5.
Shay, Mary Lucille: The Ottoman Empire from 1720 to 1734 as revealed in Despatches of the Venetian Baili. Urbana, Illinois 1944. = Illinois Studies in the Social Sciences. XXVII, 3.
Heinz, Wilhelm: Die Kultur der Tulpenzeit des Osmanischen Reiches. In: Wiener Z. Kde Morgenlandes 61 (1967) 62-116.

Verfasser

Hans Georg Majer (GND: 1018786163)

GND: 101094108

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