Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Nádasdy, Ferenc Graf

Nádasdy, Ferenc (Franz) Graf, Landesrichter (judex curiae) Ungarns, * Csejte (Komitat Neutra; heute Cachtice, Slowakei) 14.1. 1623, † (enthauptet) Wien 30.04.1671, Sohn des Oberhofmeisters Pál (Paul) Graf N. und der Judith Gräfin Révay.

Leben

N. wurde wegen seines Reichtums von den Zeitgenossen „der ungarische Krösus“ genannt. Er studierte 1642 an den Universitäten Padua und Siena. 1643 verließ er die evangelische Kirche und konvertierte. 1644 heiratete er Anna Juliana Ester házy (f 1669), Tochter des Palatins Miklós Graf Esterházy. Im Jahre 1665 unternahm N. eine Pilgerfahrt nach Rom, wo er auch von Papst Alexander VII. empfangen wurde. Schon als zehnjähriger, nach dem Tode des Vaters, wurde er Obergespan
 des Komitats Vas, 1645 königlicher Rat, 1646 Großkämmerer, 1651 Generalkapitän der Festungen Alsólendva (Unter-Limbach, Komitat Zala; heute Lendava, Slowenien) und Nempti (Komitat Verőce [Virovitica], heute Nemetin bei Esseg); 1655 wurde er Landesrichter (judex curiae) und damit - in der Würde unmittelbar nach dem Palatin stehend - zweiter weltlicher Bannerträger des Königtums; 1666 wurde er auch Obergespan des Komitats Somogy. N. war ein großer Gönner der katholischen Kirche, er stiftete Klöster und Kirchen, wie Loretto und Lockenhaus im Burgenland, und verfolgte auf seinen Domänen die Protestanten. Er war ein generöser Mäzen der Wissenschaften, unterstützte den Druck ungarischer Bücher, ließ ein Fachregister zu den ungarischen Gesetzen zusammenstellen (Cynosura juristarum, Pottendorf 1658) und die Geschichte Ungarns bearbeiten, die er mit 58 Kupferstichen verziert 1664 in Nürnberg herausgab (Mausoleum regni apostolid regum et primorum militantis Ungariae ducum; zugleich in deutscher Übersetzung: Mausoleum der ungarischen Könige; eine ungarische Übersetzung von Elek Hórányi erschien 1771 in Ofen). N.s Bibliothek und die Bildergalerie im Schloß von Pottendorf (Niederösterreich) sowie die Schatzkammer in Sárvár (Komitat Vas) waren berühmt. Obwohl N. die Politik des Wiener Hofes unterstützte, wandte er sich nach dem Frieden von Eisenburg (Vasvár; 10.08.1664) immer mehr gegen den Absolutismus Leopolds I., der das Land den türkischen Einfällen sowie der Beutegier der Fremden auslieferte. 1666 schloß er sich deshalb der ungarischen Magnaten Verschwörung an, die zuerst von Miklós Zrínyi (f 1664) und Ferenc Wesselényi (f 1667), später von ihm, Péter Zrínyi und Fran Krsto Frankapan angeführt wurde. In seinem 1668 als Manuskript verbreiteten Pamphlet „Oratio“ (hrsg. von Endre Veress in: Történelmi Tár (1896) 101-112) brandmarkte er mit scharfen Worten die Politik des Flofes und alle, die sie unterstützten, vor allem den Klerus. Um die Unabhängigkeit Ungarns herzustellen, traten die Anführer sowohl mit dem türkischen Großwesir Köprülüzade Fazil Ahmed Pascha als auch über den französischen Diplomaten Jacques Bretel de Grémonville mit König Ludwig XIV. in Verbindung und organisierten im Lande einen bewaffneten Aufstand. Die Verschwörung wurde jedoch entdeckt, N. am 3. September 1670 in Pottendorf verhaftet, vor ein außerordentliches Gericht gestellt, am 8. April 1671 zum Tode verurteilt und am 30. April 1671 auf dem Hofe des Wiener Rathauses enthauptet. N.s Riesenvermögen wurde konfisziert. Der Leichnam wurde in das von ihm selbst erbaute Erbbegräbnis in der Augustinerkirche zu Lockenhaus gebracht.

Literatur

Szilágyi, Sándor: II. Rákóczy György fejedelem összeköttetése gr. Nádasdy Ferenczczel. In: Századok 8 (1874) 441-454.
Pauler, Gyula: Wesselényi Ferencz nádor és társainak összeesküvése, 1664-1671. 2 Bde. Budapest 1876.
Mohl, Adolf: Adatok Nádasdy Ferencz országbíró életéhez. In: Századok 34 (1900) 616-627.
Sitte, Alfred: Gróf Nádasdi Ferencz művei és könyvtára. In: Magyar Könyvszemle (1902) 146-158.
Lilek, Emil: Kritische Darstellung der ungarisch-kroatischen Verschwörung und Rebellion (1663-1671). 2 Bde. Celje 1928/30.
Kroyer, Rudolf: Franz III. Nádasdy. In: Burgenländische Heimatblätter 20 (1958) 78-82.
Rózsa, György: Nádasdy Ferenc és a művészet. In: Művészettörténeti Értesítő 19 (1970) 185-202.

Verfasser

Kálmán Benda (GND: 119265907)


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